[Originalartikel]

Niemand schämte sich seiner (Lach-)Tränen
Im voll besetzten Saal von St. Marien herrschte bei der Prunksitzung des Clubs der Pantoffelhelden beste Stimmung

   Ob mittendrin beim „Sagenhaften Weinheim“ oder auf der Fahrt mit Dani Hördt und Birgit Ziegler im Zug nach „Ferth im Odenwald“: Das Publikum konnte nicht anders, es lachte Tränen.


Weinheim. (keke) Matthias Roth und der Club der Pantoffelhelden (CdP) haben mit dem „Stürmenden Krieger vom Marktplatz-Denkmal“ eine neue Identifikationsfigur gefunden. Heiner Bernhard verfügt seit dem Wochenende über den ultimativen OB-Wahlkampf-Hit. „Er ist unser Vater, Mutter, Bruder, ist in Woinem hier am Ruder. Er trägt Glatz’, und Hoiner heißt er, und er ist Oberbürgermeister“, stimmte das närrische Auditorium auf der diesjährigen Premieren-Prunksitzung des CdP mit minutenlangen Sprechhören in den Refrain von „Corpsstudent“ von Reinhard Bähr ein und ließ im vollbesetzten Saal von St. Marien den Bär steppen.
„Sagenhaft“waren aber auch die Beiträge der anderen Bütten-Asse vom „Audi Quattro“ über den „Deutschen Michel“ Christian Bähr bis hin zum Pinguin-Ballett der Tanzformation „Exotics“ und den „Drei Marktplatzweibern“ Dani Hördt, Carolin Roth und Simone Meier als weitere Entdeckung der diesjährigen Kampagne.
Bereits die „Pantoffel-Gugge“ hatten mit dem „Fliegerlied“ den Saal brodeln und das närrische Volk mit „Air Kolping“ abheben lassen. Dem das meisterhaft aufgetunte „Audi Quattro“ mit durchdrehenden Reifen folgte und aus dem Schlossbergtunnel kommend voll gegen die „Ostfront“ der „Weinheim Galerie“ knallte. „Der Galerie ihr Gesicht ist schee, aber potthässlich ist ihr A...!“, machten sich Dr. Reinhard, Matthias Roth, Hansjörg Korward und Ina Kaufmann vom „Weinheim Genesungswerk“ ihren Reim auf den neuen Konsumtempel, die Kommunalwahl und die leere Stadtkasse.
Ihre „ruckelnden“ Erlebnisse gleich mit fünf „Vernema“ und „Woinemern“ in einem Abteil auf der Zugfahrt nach „Ferth im Ourewald“ gaben Dani Hördt und Birgit Ziegler zum Besten. Beim Auftritt der Tanzmariechen Sophie Patzelt und Melanie Schütz, zugleich Deutsche Meister in Sportakrobatik, durchbrach die nächste Rakete die Saaldecke.
„Angie“ und den Skandalen im Berliner „Tigerenten-Club“ widmete sich Hansjörg Korward. Und mistete mit spitzer Gabel sogar den dortigen Schweinegrippenstall aus. Auch im wirklichen Leben sehen Ursel und Wolfgang Hördt „Oma- und Opa-Freuden“ entgegen. Übten dafür schon mal mit einem „Probe-Baby im Scheesewägele“ und zeigten sich beim Babysitter-Boogie-Woogie fit. „Sagenhaftes Weinheim“: Die Mär von der ehemaligen Perle an der Bergstraße, der „Weißen Frau vom Windeckstollen“, dem im Saukopftunnel wohnenden Raubritter Rodenstein, von Baron Hoiner von Schulden-Berckheim und Stadtkämmerer Jörg Soballa als „Master of Desaster“ auf der vergeblichen Suche nach „Scheichs aus der Kuhweid“, verquickten die CdP-ler als Höhepunkt des ersten Sitzungsteils Geschichte von heute.
Die Zweiburgenstadt als überdachter Golfplatz mit „Weinheim Open“ und „Atrium on Ice“ als Lösung aller Finanzprobleme? Denkste: „Weinheim Open scheitert schon an den nicht vorhandenen gemeinsamen Laden-Öffnungszeiten“.
„Am Marktplatz wohnen ist, wie wenn man die ,Bunte’ liest. Bloß mit Leuten, die man kennt.“ Von oben herab alles im Blick hatten die drei Marktplatzweiber. Seehofer, Merkel,Westerwelle: „Ein bayerischer Bauer, eine evangelische Jungfrau und ein warmer Prinz.“ Auch in Berlin regiere ein närrisches Dreigestirn, konstatierte Christian Bähr. Der SPD bescheinigte der „Deutsche Michel“, endlich wieder Fahrt aufzunehmen: „Wer bergab rollt, wird von alleine schneller.“
Holland säuft vor Deutschland ab, „Verne versinkt vor Woinem“: Zumindest etwas Positives an der drohenden Klimakatastrophe fand Reinhard Bähr. Drehte im gleichen Atemzug den „Stromern der Nacht“ den Saft ab („Der Strompreis ist brutto, Gas ist net do“) und kritisierte die Tunnelröhren-Posse „bloß um die Ourewäller nach Woinem roi zu losse“.
Nur waagrecht vom Marktplatz tragen lässt sich als „Stürmender Krieger“ Matthias Roth. Diese Roth wie auf den Leib geschneiderte Figur könnte in den kommenden Jahren zu seiner Paraderolle werden. Die Laurentiuskirche im Rücken und vorne den Marktplatzwunschbrunnen im Auge, „wo der Hoiner nachts mit dem Netz die Münzen herausfischt“, avancierte Roths „Krieger“ zu dem Brüller der knapp fünfstündigen Prunksitzung.
Die erst kurz vor Mitternacht mit dem obligatorischen „Kräppel“-Backen ihr Ende fand. Apropos „Verne“: Auch Peter Christ als musikalisch auftrumpfender „blinder Hesse“ hatte sich eine Rakete verdient. Gerhard Knapp moderierte, Ehrenpräsident Hubert Engelhardt zog hinter den Kulissen die Fäden.


   Die Tanzmariechen Sophie Patzelt und Melanie Schütz überzeugten das Publikum ebenso wie Christian Bähr als „Deutscher Michel“. Alle Fotos: Peter Dorn


Dieser Artikel stammt aus der Rhein-Neckar-Zeitung Nr. 19 vom 25. Januar 2010. Das Original kann man hier einsehen.

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