Ohne Schlüssel und Geld wird man Pantoffelheld


Dr. Heinz Schmitt, der Schöpfer des Weinheimer Wortschatzes, wurde als Heinz I., "Magister fer roigeplackte Gosche" am Samstag zum achten Pantoffelordensträger gekürt. Die Zeremonie wurde von den Vorgängern Uwe Kleefoot, Christa Ohligmacher und Dr. Gottfried Stöhrer (von links) begleitet. Sitzungspräsident Gerhard Knapp und Carolin Roth (rechts) freün sich mit dem Gekürten. Bild: Gutschalk


Weinheim. Der Elferrat des Clubs der Pantoffelhelden hat seit Samstag eine sprachliche Notfallhilfe: die neueste Ausgabe des Weinheimer Wortschatzes von Dr. Heinz Schmitt. Der Autor überreichte sie persönlich und steckte in seiner Ordensrede zum Kampagnenauftakt im Gemeindehaus von St. Marien in komplettem närrischem Ornat: Pantoffel, der Orden aus Holz und die als Unikat gefertigte Kapp’ machten ihn weithin sichtbar zum achten Pantoffelordenträger.
Daß er es würdig sei, als "Magister fer roigeplackte Gosche" durch die CdP-Kampagne zu gehen, stellte sein Vorgänger, Gottsche I. Medicus Poeticus (Dr. Gottfried Stöhrer) in seiner Vorstellung des Ordensträgers fest. Für einen Mann wie Heinz Schmitt, der als Leiter des Weinheimer Museums und versierter Archivar enge Verbindungen zur Historie hatte und noch immer hat, steht die Fastnacht vor allem unter dem Zeichen der Brauchtumspflege. Die Pantoffelhelden betreiben sie seiner Meinung nach ganz hervorragend und ursprünglich, und schließlich lüftete der neue Ordensträger auch mit Blick ins alte Lexikon das Geheimnis, wie jemand zum Pantoffelhelden wird. "Hoscht kan Schlüßel und ka Geld bischd en Pantoffelheld", stellte er fest.

Casting und Schloßgeschichten
Vor der Ordensverleihung hatten die Aktiven des CdP, wie immer zum Auftakt ihrer Kampagne, aus dem "Nähkästel geplaudert". Daniela Hördt, Hansjörg Korward, Dr. Reinhard Bähr und Matthias Roth machten sich ihre Reime auf besondere Begebenheiten im Umfeld der Pantoffelhelden, wobei vor allem Ursel Müller als langjährige, erfolgreiche Aktive und der amtierende Präsident Gerhard Knapp sich in mancher Geschichte wiedererkennen durften. Sie trugen es mit Humor.
Da wurde über eine komplizierte Internet-Anschluß-Reparatur erzählt, die am Ende doch nur am falschen Paßwort gelegen hatte. Auch eine seltsame, einem Geheimbund ähnelnde Gesangßtunde sorgte für Heiterkeit. Daniela Hördts Billigflug nach Irland hatte einige Haken und Ösen, und für den Präsidenten genügte es schon für ein "Nähkästel", als er seiner Verwandtschaft das Heidelberger Schloß zeigen wollte. Nicht von schlechten Eltern auch das Casting von Ursel Müller auf dem Neckar und die Geschichte, wie CdPler ihre Erfahrungen mit Weinbau und Imkerei machen.

Flotter Student
Reichlich verändert als Student kam Dr. Reinhard Bähr in seiner Solo-Nummer auf die Bühne. Unter der Studentenkapp’ war noch ein Sturzhelm, und daß er in einen Jutesack gekleidet war, lag an der Woinemer Version des "Segway", denn die Fahrt mit dem elektrisch angetriebenen, zweirädrigen Einpersonentransporter wurde zum "Säckway". Auf seiner Fahrt durch die Stadt kam er an der Hildebrand’schen Mühle und an Plakaten für die OB-Wahl vorbei. "Wu isser, isser, isser", sang er fragend im Refrain seines Liedes und suchte nach dem Finanzier für die Mühle und nach dem Gegenkandidaten für Heiner Bernhard. Dann beschrieb der Woinemer "Säckway"-Studentenfahrer auch noch die Schleuderfahrt des Gemeinderates beim Grundstückspreis an der Automeile.
Nicht ins Schleudern und auch nicht ins Straucheln kamen Sophie Patzelt und Melanie Schütz. Die beiden Nachwuchstänzerinnen hatten mit ihrer Trainerin Laura Seitz zur Techno-Version von Nenas "99 Luftballons" einen choreographisch enorm anspruchsvollen Tanz einstudiert. Ihr Auftritt gehörte zu den besonderen Momenten dieser Auftaktsitzung, in der das Audi Quadro mit Ina Kaufmann, Matthias Roth, Hansjörg Korward und Dr. Reinhard Bähr den musikalischen Rahmen gab und auch manchen kurzen Witz im Zwiegespräch im äußerst lückenhaft besetzten Gemeindesaal zum Besten gab.
Am längsten und stärksten war indessen der Beifall für Albert Wind und Kurt Wind. Die Menschen in der Weststadt haben nicht vergessen, was die beiden Brüder - jeder auf seine Weise - über Jahrzehnte hinweg für die Fastnacht und das Kulturleben in der Kolpingsfamilie getan haben. Kurt Wind war über viele Kampagnen hinweg Sitzungspräsident und wurde längst zum Ehrenpräsidenten gekürt. Albert Wind bereicherte als Kolpingchorleiter die Fastnacht in St. Marien. Je 55 Jahre stehen sie zu ihrem CdP, der auch unter ihren Nachfolgern auf dem Weg einer bodenständigen Fastnacht geblieben ist. dra


Dieser Artikel stammt aus den Weinheimer Nachrichten vom 15. November 2010. Das Original kann man hier einsehen.

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